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Die baukulturelle Verantwortung des öffentlichen Bauherren

Die Vielschichtigkeit des Themas Baukultur zeigt sich insbesondere an der Vielfalt der Bauaufgaben der öffentlichen Hand. Dem öffentlichen Bauherrn kommt daher eine Leit- und Vorbildfunktion bei der Vermittlung von Baukultur in der Öffentlichkeit zu. Seine Projekte stehen häufig im Fokus des öffentlichen Interesses und sind Anlass für kontroverse Diskussionen, wie die Bauvorhaben am Augustusplatz in Leipzig oder am Dresdner Schloss belegen.

Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) nimmt für den Freistaat Sachsen die Aufgabe des öffentlichen Bauherren wahr. Mit einem jährlichen Bauvolumen von rund 450 Mio. Euro und einem Bestand von etwa 3.100 Gebäuden ist der Freistaat größter Bauherr und Immobilieneigentümer in Sachsen. Das Aufgabenspektrum des SIB umfasst Planen, Bauen, Bewirtschaften und Verwerten. Damit liegen alle Phasen des Lebenszyklus einer Immobilie in einer Hand. Dies bringt Vorteile mit sich, die der Baukultur des Freistaates zugute kommen. Die Bündelung aller fachlichen Kompetenzen rund um die Immobilie in einer Institution bietet beste Voraussetzungen für deren ganzheitliche Betrachtung und der Qualitätssicherung. Die dadurch entstehenden Synergieeffekte wirken sich positiv auf einzelne Bauvorhaben sowie den gesamten Immobilienbestand des Freistaates aus. So bilden die in der Bewirtschaftung gewonnen Erfahrungen und Verbrauchswerte die Grundlage für die Ermittlung künftiger Betriebskosten bei in Planung befindlichen Vorhaben und haben somit direkten Einfluss auf aktuelle planerische Entscheidungen. Auch bei grundlegenden Entscheidungen wie der Standortwahl wirkt sich die enge Verbindung von Bau- und Liegenschaftsverwaltung positiv aus.

Bekanntermaßen ist die Beeinflussbarkeit eines Vorhabens an seinem Beginn am größten. Zu diesem Zeitpunkt bestehen noch viele Möglichkeiten,  ein Projekt zu gestalten und zu optimieren. Daher sollte allgemein ein verstärktes Augenmerk auf die Phase der Projektentwicklung gelegt werden. Mit der Raumbedarfsplanung als Zielbestimmung eines Projektes beginnt ein iterativer Prozess bei dem die Belange des Bauens und der Bewirtschaftung kontinuierlich abzuwägen sind. Dabei ist es wichtig, während des Planungsprozesses bestehende Projektvorgaben, wie zum Beispiel funktionale Zusammenhänge und technische Anforderungen, im Interesse einer zufriedenstellenden und nachhaltigen baulichen Lösung immer wieder zu hinterfragen. Nur im Ergebnisse einer offenen und zielgerichteten Diskussion des Für und Wider von Lösungsvarianten ist es möglich, ein starkes und robustes Planungskonzept zu erarbeiten. Klare, von allen Beteiligten getragene Zielvorgaben sind eine Grundvoraussetzung für das Gelingen eines Bauvorhabens. Sie sind die gesicherte Basis, auf der die konkrete Objektplanung aufbauen kann.

Als hilfreich hat sich in diesem Zusammenhang die Aufstellung von Zielplanungen sowie Nutzungskonzeptionen für einzelne Institutionen und Liegenschaften erwiesen. Sie bieten die Möglichkeit übergeordnete Zusammenhänge frühzeitig zu betrachten und sind ein erster Schritt auf dem Weg hin zu konkreten baulichen Maßnahmen. Im Ergebnis dieser Zielbestimmung entsteht ein Maßnahmenplan, untergliedert in einzelne Bauabschnitten mit ersten grob geschätzten Programmkosten und Aussagen zur möglichen zeitlichen Umsetzung. Auf dieser Grundlage können Einschätzungen zur Realisierbarkeit von strukturellen und baulichen Veränderungen getroffen werden. Angesicht der Größenordnung einer Vielzahl der Baumaßnahmen des Freistaates und des damit verbunden Investitionsmittelbedarfs gewinnen gerade in Zeiten knapper werdender Ressourcen vorbereitende Planungen immer mehr an Bedeutung, gilt es doch mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen, dass bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Mit seinen Baumaßnahmen u. a. an Hochschulen, Krankenhäusern, Museen und Gerichten nimmt der öffentliche Bauherr aktiv Einfluss auf die Erscheinung eines Ortes. Er gestaltet damit öffentliche und somit Lebensräume für viele Menschen und prägt dadurch das Bild vieler Städte und Orte. Bei der Gestaltung seiner Bauten verfolgt der öffentliche Bauherr keinen Stil im ästhetischen Sinne. Seine Bauten sind Spiegelbild unserer pluralistischen Gesellschaft. Häufig sind sie identitätsstiftend für ihren Standort. In seinem Schaffen ist der öffentliche Bauherr sowohl dem Erhalt des kulturellen Erbes als auch der Förderung der zeitgenössischen Architektur verpflichtet. Worauf der Schwerpunkt bei der einzelnen Maßnahme liegt, ist immer abhängig von der Aufgabenstellung und den spezifischen Ausgangsbedingungen.

Auftrag und Ziel des öffentlichen Bauherren ist es, für eine konkrete bauliche Aufgabe die beste Lösung unter funktionalen, gestalterischen und finanziellen Gesichtspunkten zu finden. Um dies zu erreichen, führt der öffentliche Bauherr bei herausgehobenen Vorhaben Planungswettbewerbe nach RPW (Richtlinie für Planungswettbewerbe), Gutachterverfahren oder VOF-Verfahren (Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen) mit Lösungsvorschlägen durch. Die grob geschätzten Investitionskosten sind bei der Entscheidung über die Durchführung eines Wettbewerbsart nicht das alleinige Kriterium, auch die inhaltlichen Besonderheiten einer baulichen Aufgabe findet dabei ihre Berücksichtigung, sodass auch bei Maßnahmen mit einem verhältnismäßig gering geschätzten Investitionsvolumen Wettbewerbsverfahren durchgeführt werden, wie zum Beispiel für die Lehrsammlung Historischer Fahrzeuge „forum mobile“ der Westsächsischen Hochschule Zwickau oder für die Neugestaltung des Entree der Albrechtsburg Meißen.

Ein weiterer Ausdruck seines hohen Qualitätsanspruchs ist die Selbstverpflichtung des öffentlichen Bauherren zur Förderung der zeitgenössischen bildenden Kunst. Bei Maßnahmen ab einem Investitionsvolumen von über einer Millionen Euro vergibt der öffentliche Bauherr Leistungen an Bildende Künstler, wenn Art, Zweck und Bedeutung der Baumaßnahme dies rechtfertigen. Im Regelfall wird für die Vergabe von Leistungen der bildenden Künste ein Wettbewerb zur Kunst am Bau ausgelobt. Kunst am Bau ist ein Teil der Baukultur, der deren Qualität und Ausdruckskraft mitprägt. Durch ihren Orts- und Objektbezug kann sie die Akzeptanz und Identifikation des Nutzers sowie der Öffentlichkeit mit dem Bauwerk stärken und einem Standort ein besonderes Profil verleihen.

Weitweniger öffentlichkeitswirksam als die Durchführung eines Planungs- und Kunstwettbewerben, jedoch von erheblicher Auswirkung auf das baukulturelle Miteinander aller am Bau Beteiligten ist die strikte Bindung des öffentlichen Bauherren an die allgemein gültigen Vergabevorschriften. Durch die Anwendung dieser konkurrierenden Verfahren entsteht einerseits ein Mehrwert an baukultureller Qualität und andererseits die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Bauherr, Planern und bauausführenden Firmen, da alle Entscheidungen des öffentlichen Bauherren transparent sind.

Dass der SIB, als öffentlicher Bauherrenvertreter des Freistaates Sachsen, seine Vorbild- und Leitfunktion wahrnimmt, drückt sich in der Vielzahl der Preise und Anerkennungen aus, die er in den letzten Jahren für seine Bauvorhaben von unterschiedlichen Institutionen erhielt. Zuletzt gewann das Trainingszentrum der Polizeidirektion in Chemnitz den Architekturpreis des BDA Sachsen 2010. Weitere preisgekrönte Vorhaben sind die Hochschulbibliothek und das Medienzentrum der HTWK Leipzig (Architekturpreis der Stadt Leipzig 2009), das Polizeirevier Chemnitz-Süd (Deutscher Fassadenpreis 2009 und  „best architects 09“-Award in der Kategorie Büro- und Verwaltungsbauten), die Biologischen Institute der TU Dresden und das Institut für Physik der TU Chemnitz (beide Besondere Anerkennung, Erlweinpreis der Stadt Dresden 2008) sowie das Hörsaalgebäude der Hochschule Zittau/Görlitz in Zittau und das Ausstellungsgebäude an der Brühlschen Terrasse in Dresden (beide Architekturpreis des BDA Sachsen 2007).

Baukultur entsteht nicht von allein und ist mehr als eine Diskussion über Ästhetik und technische Machbarkeit. Vielmehr steht der Begriff für den stetigen Prozess der Veränderung unseres Lebensumfeldes durch bauliche Maßnahmen. Jede bauliche Aktivität soll im Hinblick auf die nach uns kommenden Generationen zur qualitativen Verbesserung des bereits Bestehenden beitragen. Dies sind der Auftrag und die Verantwortung aller am Bauen Beteiligten.

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    Baukultur Sachsen

    Ansichten

    TU DD BiologInstit (Holger Stein)

      TU DD - Informatik (Lothar Sprenger)

        Uni L Veterinärmedizinische Falkultät (Jeibmann Photographik)

          Amtsgericht Aue (Bertram Bölkow)

            Foyer Kleiner Schlosshof (Prof. J. Schöner)

              Hörsaalgebäude HS Zittau (Autor unbekannt)

                HTWK L Neubau HSBibo und Medienzentrum (Christian Richters)

                  Jugendstrafvollzug Regis-Breitingen (Frank Höhler)

                    Landesgymnasium St. Afra (Holger Stein)

                      PD Chemnitz Trainingszentrum (Dietmar Träupmann)

                        Polizeirevier Chemnitz-Süd (Jörg Riethausen)

                          Schloss Colditz (Andreas Meichsner)

                            Schloss Lichtenwalde (Lothar Sprenger)

                              Schloss Moritzburg

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