1. Navigation
  2. Inhalt
  3. Herausgeber
Inhalt

Hintergrund

Ein Blick auf die visuelle Umwelt unserer Städte bezeugt die heutige Vernachlässigung der Wertschätzung der Baukultur als ein wertvolles gesellschaftliches Kulturgut und als eine gemeinsame Aufgabe von Bürgern, Politikern, Planern und ausführendem Handwerk, in der die gebaute Umwelt einen klaren Gestaltwillen mit übergeordneten Zielen wie z. B die „Schönen Stadt“ ausdrückt. Neben einem Dialog zwischen den genannten Gruppen erfordert eine sich entwickelnde Baukultur, dass ihr Stellenwert in unserer Gesellschaft durch bessere Einbindung in die Erziehung und Bildung in Schule, Beruf und Hochschule ebenbürtig zu dem von Handel, Industrie Wirtschaft und Wissenschaft wird.

Eine Folge der Demokratisierung der Gesellschaft ist die Öffnung von Planungs- und Gestaltungsprozessen, die eine Vielzahl von Möglichkeiten parallel zulassen, statt fest etablierten und tradierten Regeln und Prinzipien zu folgen. Dem daraus oft folgenden visuellen Chaos unserer Städte kann nur durch besseres Verständnis für die Konsequenzen von Planungs- und Gestaltungsentscheidungen auf allen beteiligten Berufsebenen begegnet werden.

Fehlendes Verständnis für übergeordnete Ziele der Stadt und ihre Identität - vor allem für das unverwechselbare Stadtbild, dem sich die Einzelbelange von Verkehr, Infrastruktur, Handel und Gewerbe anpassen und gegebenenfalls unterordnen müssen - prägt das typische Bauen unserer Zeit, in der sich Städte aus den angeblichen Zwängen einer Reihe von Einzelinteressen, aber nicht im Kontext des Ganzen entwickeln. Mangelnde gestalterische Qualität der Bauten ist nur eine Folge dieses fehlenden Bewusstseins.

Eine wesentliche Ursache dieser Vernachlässigung ist in der gewandelten Rolle des ausführende Handwerks zu finden. Die heutige Ausweitung der Vielfalt von Bauaufgaben, welche Handwerksbetriebe im Gegensatz zu früher wahrnehmen müssen, sowie die sich ständig verändernde Vielfalt der im Bau verwendeten Materialien führen zu einer Vielfalt, die oft zur Beliebigkeit und einem Fehlen von ,Angemessenheit‘ von Material und Detail und im Bauen führt.

Auch die Ausbildung im Bauhandwerk hat den Aspekt der Gestaltung als Teil von Handwerksaufgaben heute so gut wie ausgeklammert. Einfache Musterbücher oder Kompendien mit Gestaltungsprinzipien, wie für viele Handwerkssparten noch vor weniger als einem halben Jahrhundert üblich, sind heute in der Berufsausbildung fast völlig verschwunden. Dass ein Tischler selbständig ein Fenster entwerfen, zeichnen und produzieren kann, ist heute eher selten. Stattdessen werden in der Regel Fertigprodukte, die nicht immer dem jeweiligen Zweck angemessen sind, verbaut. Der Verlust handwerklicher Fähigkeiten ist in der Regel unwiederbringlich.

Dies ist unter anderem in der Denkmalpflege und der Bauerhaltung ein wesentlicher Aspekt, da in diesem Bereich handwerkliches Grundwissen oft verloren gegangen ist.

Eine weitere Ursache des handwerklichen Qualitätsverlustes ist das vielfältige Angebot an Materialien und Produkten in Baumärkten, die von Laien an ihren privaten Häusern verbaut werden und damit prägend für das Stadtbild werden. Baukultur als Teil der Bildung würde die fortschreitende Zerstörung gewachsener Kulturlandschaften, die Veränderung des individuellen Stadtbildes hin zur Beliebigkeit und die Nachlässigkeit bei der gestalterischen Qualität des eigenen Hauses vermeiden helfen.

    Marginalspalte


    Baukultur Sachsen

    Ansichten

    Architekonisches Erbe und die Moderne - Meisterhaeuser Dessau

      Architektonisches Erbe - Dresdner Verkehrsbetriebe

        Stadtbild - Dachlandschaft einer deutschen Kleinstadt

          © Sächsisches Staatsministerium des Innern